Zehn Jahre vor der Landesgartenschau: Ein Spaziergang durch Bad Mergentheim
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2034 ist Bad Mergentheim Ausrichter der Landesgartenschau. Das erste Projekt ist bereits im Bau. Was alles geplant ist und wie sich die Stadt durch das Event verändern wird.
Wie ein schimmerndes Band zieht sich die Tauber im Licht der Sommersonne durch die Stadt. Sie ist gesäumt von Bäumen und Sträuchern, dahinter teils Wiesen und Auen – eine pure grüne Idylle. Eine ungewöhnlich große Zahl alter, ehrwürdiger Bäume spenden Schatten, kühlen die mehr als 30 Grad warme Luft des Sommertages und verleiten dazu, einen tiefen Atemzug wohliger Entspannung zu nehmen. Wer hier in Bad Mergentheim zwischen Kurpark und Schlosspark spaziert, mag sich fragen, wo diese Stadt denn eigentlich noch grüner werden soll. Denn genau das ist eines der Ziele, die Bad Mergentheim im Zuge der Landesgartenschau 2034 erreichen will. Die Antwort findet sich nur wenige Gehminuten entfernt in der Altstadt. Pflastersteine und Asphalt dominieren zwischen den hübschen Fachwerkhäusern. Hier scheint die Luft stillzustehen, aufgeheizte Böden und Fassaden fungieren als Wärmespeicher, lassen die heiße Luft verschwommen flirren.
An der „Steinwüste“ Marktplatz wird sich auch durch
die Landesgartenschau wenig ändern. Der Platz wird als Freifläche für Veranstaltungen benötigt.
Foto: Ludwig, Tamara
„Eine Studie des Deutschen Wetterdienstes zeigt, dass wir die Temperatur hier um drei Grad senken können“, erklärt Carsten Müller, während um ihn herum die Baumaschinen knattern. Der Pressesprecher der Großen Kreisstadt im Main-Tauber-Kreis hat die Visionen, die im Zuge der Landesgartenschau umgesetzt werden sollen, klar vor Augen. Hier am Gänsmarkt wird die erste dieser Visionen bereits mithilfe von Bagger und Schaufel Wirklichkeit. „Das ist unser Starterprojekt“, so Müller. „Die ersten Bäume kommen im November“, berichtet er und lächelt zufrieden. Ziel sei es, einen „Klimaplatz“ zu schaffen, der auch an Hitzetagen wie diesem zum Verweilen einlädt. Dafür sorgen sollen insektenfreundliche Staudenbeete, Baum-Haine, einzelne Bäume mit Bänken darunter, Trinkbrunnen und Sprühnebel-Dusche für besonders heiße Tage. Das benötigte Wasser, etwa für die Bäume und Beete, soll nach den Prinzipien der Schwammstadt gewonnen werden: Das bedeutet, es soll möglichst viel Regen- und Oberflächenwasser vor Ort aufgenommen und in versenkten Zisternen gesammelt werden.
Barrieren und Hitze reduzieren
„Bislang ist der Gänsmarkt eine wenig einladende, große Kreuzung gewesen“, sagt Carsten Müller. Künftig bleibe der zentrale Bereich autofrei, nördlich und südlich kann der Verkehr den Platz passieren. Zum Konzept gehört auch, ein barrierefreies Pflaster zu schaffen. Die alten, unebenen und kleinteiligen Steine weichen einem Natursteinbelag aus Muschelkalk. Dieser soll sich seinen Weg letztlich durch die Altstadt bis zum Schloss bahnen.
Die erste Baustelle für die Landesgartenschau 2034 wurde in diesem Jahr begonnen. Der historische Gänsmarkt wird umgestaltet. Der neue Boden liegt in weiten Teilen bereits – und 2025 soll das rund 2,4 Millionen Euro teure Startprojekt abgeschlossen sein.
Foto: Ludwig, Tamara
Auf diesem Weg wechselt der bereits in Teilen neu verlegte Muschelkalk-Boden derzeit noch hin zum alten Pflaster. Sofort spürt man den Unterschied unter den Fußsohlen, nimmt jede noch so kleine – und bisweilen größere – Unebenheit wahr. Tritt man aus der schmalen, schattigen Kirchstraße auf den Marktplatz, wird außerdem offensichtlich: Kein Grün weit und breit. Ein paar Blumen in Kübeln, ansonsten gleicht die Stadt hier einer heißen Steinwüste. „Wegen Veranstaltungen und unserer Märkte können wir hier leider nicht mit Bäumen arbeiten“, erklärt Müller. Die Fläche müsse also weitgehend frei und damit unbegrünt bleiben. Immerhin: Hinter dem zentralen Gebäude, dem Alten Rathaus, das die Tourist-Information beherbergt, könnte ein weiterer Baum-Hain Platz finden. Und: Dort befand sich ursprünglich eine sogenannte Wette, eine Tränke und Bademöglichkeit für Arbeitstiere. Ein Wasserbassin oder Fontainen könnten in Anlehnung daran entstehen.
Heilquellen und den Fluss in den Blick nehmen
Apropos Wasser: „Blühende Quellen“ ist das Motto der Mergentheimer Landesgartenschau und nimmt bewusst Bezug auf die Heilquellen, die den Kurort bereits seit mehr als 200 Jahren prägen und ihm 1926 den Namenszusatz „Bad“ eingebracht haben. Doch der Schutz der Quellen bringe auch stadtplanerische Herausforderungen mit sich, wie Carsten Müller erläutert. Denn das ist die Landesgartenschau an allererster Stelle: ein städtebauliches Großprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro. „Die Blümchen-Schau“, wie Müller es nennt, komme erst ganz zum Schluss als Bonus obendrauf und verschwinde dann wieder, während der Rest für die Zukunft bleibe.
So könnten sich die Planer einen naturnahen Zugang zur Tauber vorstellen.
Foto: Alternativer Fotograf
Diese Zukunft sieht auch vor, die Bewohner und ihren Fluss wieder näher zusammenzubringen: Denn die Tauber ist im gesamten städtischen Bereich kaum zugänglich, ihre Ufer sind stark zugewachsen. Lediglich von Brücken aus lässt sich das idyllische Gewässer bewundern. „Wir wollen keinen Partystrand anlegen“, erklärt Carsten Müller vorsorglich und lacht. Aber etwa im Landschaftspark, der an den denkmalgeschützten Schlosspark sowie den Kurpark anschließt und die zentrale Ausstellungsfläche der Landesgartenschau werden soll, könnten „punktuelle, naturverträgliche Uferzugänge“ geschaffen werden. Ganz nebenbei liegt dann noch das Thema Hochwasserschutz auf dem Tisch: „Wir müssen ein kaputtes Regenüberlaufbecken ersetzen“, erklärt Müller schulterzuckend. Auf eine Baustelle mehr oder weniger kommt es in den nächsten zehn Jahren aber eher nicht an.
Von Wohn-Quartier bis Besucher-Liebling: Vielseitig ist das Programm, das sich die Stadt bis zur Landesgartenschau 2034 vorgenommen hat
Der Jubel war groß, als die Kurstadt an der Tauber im Dezember 2020 den Zuschlag für eine Landesgartenschau (LGS) bekam. Im dritten Anlauf hatte man es „endlich“ geschafft und plant nun für das Großevent 2034. Während mit dem Gänsmarkt, zehn Jahre vor der eigentlichen Veranstaltung, das erste Bauprojekt bereits Fahrt aufgenommen hat, sind andere Projekte noch ganz am Anfang. So wie das urbane Wohn-Quartier an der Herrenwiese. Aktuell ist hier noch eine wenig ansehnliche Gewerbebrache, die weichen soll. Ein Projekt der Innenentwicklung, das jedoch frühestens Mitte 2027 in die Umsetzung geht.
Mitte kommenden Jahres sollen indes die Arbeiten für den sogenannten Grünen Boulevard starten. Die Igersheimer Straße soll grünes Einfahrtstor zur LGS werden. Läuft alles nach Plan, geht es Mitte kommenden Jahres los, die Bäume für die Allee zu pflanzen. Die mündet in den Willkommensplatz vor dem Stadtkloster.
Ein Besucher-Liebling könnte der Ketterberg werden. Hoch über der Stadt soll ein Aussichtspunkt zum Anziehungsmagnet werden. Darauf müssen die Mergentheimer allerdings bis kurz vor der Landesgartenschau warten. Geplante Umsetzung: zwischen 2031 und 2034.
Für die nötigen Investitionen von insgesamt rund 40 Millionen Euro erwartet die Stadt Zuschüsse zwischen 40 bis 70 Prozent pro Projekt. Einzelne Förderzusagen gibt es bereits. Hinzu kommen fünf Millionen Euro pauschale LGS-Förderung durch das Land. Die Altstadt samt Stadtgarten ist im Landessanierungsprogramm. Verbunden sei damit laut Stadtsprecher Carsten Müller auch die Hoffnung, dass private Hausbesitzer mit Blick auf die LGS über eine Sanierung ihrer Gebäude nachdenken.
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